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Die Münchner Patrizier haben München und seiner Umgebung zur Blüte verholfen.

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Die großen Geschlechter Münchens findet man im Rat der Stadt und besonders im Inneren Rat. Seinen Ursprung hatte er in den Gerichtsschöffen, die dem stadtherrlichen Richter zur Seite gestellt waren. Dieser sog. Zwölferrat ist erstmals im Jahr 1295 nachzuweisen. Diese wortwörtlich hervorragenden Bürger leiteten und beherrschten die Stadt. Die dazu erforderlichen Fähigkeiten, die über das Durchschnittsmaß deutlich hinausreichten, erwarben sie sich durch Studium, Reisen, Hören und Sehen in der Fremde. Diese Reisetätigkeiten und die großen Verdienste für das Gemeinwohl erforderten sehr viel Geld. Beides bedingte also einander. Aus welchen Kreisen stammten also diese Familien, woher ihr Vermögen und welchen Berufen gingen sie nach?

J. N. G. von Krenner schreibt in seinem Buch über die Siegel vieler Münchner Bürgergeschlechter, dass diese aus drei sozialen Schichten hervorgingen - dem Landadel, den Grundbesitzern und den Handwerkern. Ihr Vermögen erwirtschafteten sie mit Fern- und Großhandel von Salz, Grundbesitz und Geldgeschäfte. Die Landesherrn förderten den Münchner Handel sehr. Besonders zu erwähnen ist hier die "Charta magna Monacensium", die Vefassung der Stadt, wie sie von Herzog Rudolph im Jahre 1294 zugestanden wurde, und auch die etwa 50 Briefe, in denen der deutsche Kaiser Ludwig die Freiheit und Sonderrechte der Stadt München sehr förderte. Auch darum konnten die Patrizier teilweise ein enormes Geldkapital ansammeln, das ihnen sowohl Macht und Ansehen verschaffte, das sie aber auch überaus großzügig in Form von Stiftungen wieder der Allgemeinheit zugutekommen ließen.

Maßgebend für die Zugehörigkeit zum Patriziat war die Tätigkeit im Inneren Rat, denn ihm allein kam seit ältesten Zeiten ausschlaggebende Bedeutung zu. Oft kam es auch vor, dass ein Familienmitglied dem Inneren und ein oderer sogar mehrere andere gleichzeitig dem Äußeren Rat angehörten. Eine Erblichkeit der Ratszugehörigkeit war für München nicht bekannt. Es war also die Folge von erworbenem Ansehen, Vermögen und Einfluss. Über welches Kapital die Patrizier verfügten, kann an deren Steuerleistung ersehen werden. Sie machten 1% der Bevölkerung aus, leisteten aber 10-12% der gesamten Steuersumme. Der Innere Rat hatte nur halb so viele Mitglieder wie der Äußere Rat, steuerte aber zweimal so viel.

Wer konnte, legte sein Geld in Grundbesitz an. Der dreißigjährige Krieg war der große Einschnitt und Übergang von Altpatriziern, die für uns und die Zeit der Renaissance interessant sind, und den Neupatriziern. Die Altpatrizier verdankten ihre überragende Stellung dem Alter, Verdienst und dem Wohlstand ihrer Familien. Nach dem großen Krieg blieb ihnen oft nur die Tradition. Ihr Wohlstand ist in den meisten Fällen in die Hände der Neupatrizier übergegangen.

Die Patrizier bildeten sicher eine Art Kaste. Sie blieben in allen Lebenslagen unter sich. Allerdings waren sie nie volksfremd, denn sie waren sich ihrer bürgerlichen Anfänge bewußt. Zusammen mit dem damaligen Glauben, sich durch gute Taten einen Schatz im Himmel zu erwerben, der beim Jüngsten Gericht gegen die Sünden aufgerechet wird, waren das ehrenamtliche Engagement und die großzügigen caritativen Stiftungen weit verbreitet. Unter ihrer Leitung war der Zuwachs an Immobilien beträchtlich, aufgenommene Anleihen konnten zurückbezahlt werden, die Aufnahmen von Schulden wurde vermieden und den Herzögen konnte sogar beträchtliche Geldaushilfen zugewendet werden. Eine konsequent sparsame Haushaltsführung verhalf der Stadt zu großem Wohlstand, dem leider durch den dreißigjährigen Krieg ein jähes Ende gesetzt wurde. Danach waren zunehmend andere Eigenschaften gefordert als sie die Altpatrizier besaßen. EIn Jurastudium war z.B. sehr gefragt. Über die Jahre verlagerte sich die Führung der Stadt auf die Neupatrizier und die alten Familien starben bis zum 18. Jahrhundert bis auf die Familie Barth aus.

Besonders hervorzuheben sind die Familien der Mitglieder der ersten Räte wie die Altmann, Drächsel, Freimann, Gaggenay, Guldein, Küchel, Sander, Sendlinger, Schiet, Schrenck und Schluder. Dazu kommen Familien, die über viele Jahre dem Inneren Rat angehörten: z.B. Barth (452 Jahre), Kazmair (155 Jahre), Pötschner (200 Jahre), Pütrich (200 Jahre), Ridler (412 Jahre), Rudolf (270 Jahre), Sendlinger (116 Jahre), Schobinger (219 Jahre), Schrenck (328 Jahre. Dr. Franz Freiherr von Karaisl definiert in seiner Schrift "Zur Geschichte des Münchener Patriziats" 1938 die Zugehörigkeit zum Patriziat so, dass man mindestens zwei Generationen lang dem Inneren Rat angehören musste. Dabei kommt er auf 61 Familen. Zwei, Endlhauser und Gollier, fügen wir noch dazu, da sie auch der Wappendarstellung der Stadt München angehören, und kommen so auf 62.
Altmann, Barbier, Barth, Cler, Delling, Diener, Draechsel, Ehinger, Endlhauser, Eßwurm, Finger, Freimann, Frey, Gaggenay, Gaishofer, Gollier, Guenther, Guldein, Haldenberg, von Hausen, Hoerl, Hundertpfund, Kazmair, Kray, Küchel, Laimer, Ligsalz, Maenher, Mäusel, Nothkauf, Ossinger, Pfundmaier, Poetschner, Pogner, Pütrich, Reindl, Reitmor, Ridler, Rudolf, Rushaimer, Saenftl, Sander, Sattler, Sendlinger, Schiet, Schluder, Schobinger, Schoet, Schoettl, Schrenck, Storch, Strang, Stupf, Taeutter, Tegernseer, Tichtl, Toemlinger, Tulbek, Viechpeck, Voglmair, Weiler, Wilbrecht und Zweng.
Mit einigen Familien wollen wir uns näher befassen, da sie offensichtlich für Pullach eine bedeutendere Rolle gespielt haben.
© circulus saltans puelach • Johannes Schuster • Letzte Änderung: 04. Januar 2013