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Circulus saltans puelach - ein Stück getanzte Geschichte

Im Jahr 2006 jährte sich zum 1200sten Mal die erstmalige urkundlich gesicherte Erwähnung Pullachs in der "Traditio Pettonis episcopi de Hachingen". Dieser Anlass wurde gebührend gefeiert. Unser Beitrag war die Gründung eines Renaissancetanzkreises, und wir nannten ihn circulus saltans puelach.

Der Grund, gerade die Zeit der Deutschen Renaissance auszuwählen, war unser Wahrzeichen, die Alte Kirche. Sie wurde Ende des 15. Jahrhunderts in ihrer heutigen Form erbaut, und einige Verbindungen zum Bau des Doms zu München sind bemerkenswert. Puelach, wie Pullach damals genannt wurde, das waren 15 Bauernhöfe unterschiedlichster Größe und eine Handvoll Handwerker - zusammen etwa 250 Einwohner. Die Grundbesitzer waren i. W. Münchner Patrizier, die sicher entscheidend den Bau der Kirche möglich machten.

Ein Blick an das Deckengewölbe der Kirche zeigt zentral das Wappen des Herzogs Sigismund von Bayern-München. Er war es, der den Bau des Doms zu München veranlasste. Er hielt sich auch öfters in der Burg Grünwald am gegenüberliegenden Isarufer auf, um in den umliegenden Wäldern zu jagen. Gleich daneben sehen wir die angeblich älteste Darstellung des Münchner Kindls. Nicht weit davon ist das Wappen der Münchner Patrizierfamile Pötschner auf einem Stein in der Decke abgebildet. Alles in Allem erscheint es nicht weit hergeholt, dass einige Patrizierfamilien (Barth, Ligsalz, Pötschner, Pütrich, Ridler, Wilbrecht) zusammen mit Herzog Sigismund die Initiatoren und Geldgeber für den Bau der Alten Kirche waren und sie dem Hl. Geist als Patron weihten. Letzteres deutet vielleicht auf die Verbindung der Patrizierfamilien zum Heiliggeistspittal in München hin (siehe auch "Geschichte Großhesselohe").

Der Vollständigkeit halber jetzt noch ein Blick auf die Burg Schwaneck. Natürlich hat diese mittelalterlich aussehende Burg nichts mit der Renaissance zu tun, da sie ja erst 1843 von Ludwig v. Schwanthaler gebaut wurde. Tatsächlich ist sie aber ein so markantes Bauwerk in unserem Ort, dass man als historischer Tanzkreis daran nicht vorbeigehen darf. Zieht man noch die Motivation für den Bau dieser Burg in Betracht, nämlich die romatische Verklärung des mittelalterlichen Rittertums durch Schwanthaler, dann ist das für uns ein Grund mehr, dieses wunderschöne Bauwerk miteinzubeziehen.

Wir sind der Meinung, dass es bei einem historischen Tanzkreis ganz besonders darauf ankommt, alle Komponenten - Tanz, Gewand und Geschichte - gleichwertig zu berücksichtigen. Wir versuchen darum unsere Gewänder und unsere Tänze so nahe an den historischen Fakten anzulehnen, wie es uns möglich ist. Vielleicht gelingt es uns, dieses Andenken ein wenig zu erhalten.
© circulus saltans puelach • Johannes Schuster • Letzte Änderung: 04. Januar 2013