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1920 - Betreff: Pullacher Benefizium

Das Benefizium, früher Heiliggeistbenefizium in Pullach, ist laut Stiftungsbrief vom Jahre 1472 von Kaplan Sever gestiftet. Unterm 20. November 1835 hat der Magistrat auf die Entschliessung der Regierung vom 31. 0ktober 1835 berichtet, dass gegen die Erhebung des Heiliggeistbenefiziums zu einem Schulbenefizium in Pullach unter dem ausdrücklichen Vorbehalt die Zustimmung erteilt wird, dass dem Münchener Stadtmagistrat das Patronats- und Präsentationsrecht vorbehalten bleibt unter der einzigen Bedingung, dass auf genanntes Benefizium ein Priester präsentiert wird, welcher die erforderliche Befähigung zur Erteilung des deutschen Elementarunterrichtes der Werktags- und Feiertagsschule und zur Erteilung des Unterrichts in Obst- und Gemüsebau besitzt. Genehmigt wurde dieser Antrag mit Ministerialentschliessung vom 21. Dezember 1835.
Mit diesem Schulbenefizium war bis zum Jahre 1832 das Wildprecht'sche Benefizium bei U. L. F. gemeint. Schon im Jahre 1832 wurde der Priester Angermayer auf Grund magistratischer Präsentation provisorisch bis zur Ausmittelung der Prüfungsnote im Pfarrkonkurs in die Bezüge eingewiesen. Am 15. August 1832 wurde dann die landesherrliche Bestätigung der Präsentation endgültig erteilt. Im Jahre 1836 wurde wiederum dem Priester Johann Daxberger das Schulbenefizium provisorisch mit der Auflage übertragen, jährlich 4 Messen der Schermer'schen Stiftung in Forstenried zu persolvieren. Diese Messen sind heute noch zu lesen. Daxberger ist im Jahre 1838 gestorben.
Am 15. Januar 1839 wurde der magistratischen Präsentation des Priesters Balthasar Gall die Bestätigung erteilt.
Nach einem Bericht an die Regierung vom 3. April 1840 hat das Schulbenefizium damals 330 fl. 35 kr. getragen.
Pfarrer Gall wurde im August 1851 die Pfarrei Bärnried, Landgericht Weilheim übertragen. Mit Regierungsentschliessung vom 18. September 1852 wurde Kooperator Philipp Unrein Schulbenefiziat in Pullach.
Laut Regierungsblatt 1862 vom 8. August 1862 wurde dem Schulbenefiziaten Unrein die Pfrarrei Arget Bezirksamt München übertragen. Im Jahre 1862 wurde die Umwandlung des Schulbenefiziums in eine Pfarrkuratie beantragt. Der Magistrat hat jedoch mit Bericht vom 18. November 1862 zu diesem Antrag seine Zustimmung nicht gegeben. (Bericht im Akt sehr interessant.)
1863 von Kooperator Nikolaus Reisch aus Aibling besetzt. 1866 Gallus Hosemann. Im Jahre 1871 taucht wieder der Antrag, auf Hebung des Schulbenefiziums in eine Pfarrkuratie auf. (Interessanter Bericht vom 28. Juli 1871.)
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 13. Dezember 1874 wurde das Benefizium Pullach zur Pfarrei erhoben, Ziff. V. Bei der Pfarrei Pullach tritt das landesherrliche Besetzungsrecht alternierend mit dem Präsentationsrecht des Stadtmagistrats in Kraft.
Die Stellungnahme des Magistrats zum alternierenden
Präsentationsrecht ist in dem sehr interessanten Bericht des Magistrats (Referent damaliger Rechtsrat Brunner) vom 28. April 1874 zu ersehen.
Vide dann Ministerialentschliessung vom 9.Juni 1874. Der Magistrat hat dann mit Besschluss vom 19. Juni 1874 dem alternierenden Präsentationsrecht zugestimmt. Im Dezember 1878 wurde dann auf Präsentation des Stadtmagistrats an Stelle des von König präsentierten und zum Pfarrer in Gilching ernannten Pfarrers Hugo Dauer, Johann Bapt. Schamberger von Feldmoching als Pfarrer präsentiert.
Der Nachfolger Pfarrer Franz Festing, kam im Jahre 1890 auf die Pfarrei Niederroth.
Auf Präsentation des Magistrats wurde dann am 17. März 1891 Priester Ludwig Schmid, Schulbenefiziat in Glashütt, als Pfarrer in Pullach bestätigt
Der Nachfolger Karl Vogel von Vogelstein wurde dann im November 1898 auf die Pfarrei Scheitenkirchen präsentiert.
Auf Grund magistratischer Präsentation von 20. Dezenber 1898 wurde dann in diesem Erledigungsfall Priester Dr. August Knecht präsentiert und am 17.Januar 1899 bestätigt. Dr. Knecht hat im August 1900 resigniert (wurde ausserordentlicher Professor für Kirchenrecht im Lyzeum in Bamberg).
Der Nachfolger Konstantin Jörg (Patronat König) hat im Jahre 1902 resigniert.
Mit Regierungsentschliessung vom 3. Oktober 1902 wurdo dann Benefiziat Heinrich Knecht von Grünwald auf Grund magistratischer Präsentation als Pfarrer bestätigt.
Der Nachfolger Pfarrer Strasser vom König präsentiert hat im April 1911 resigniert, weil er nach Bayrisch-Zell versetzt wurde.
Vomrn Magistrat wurde dann Pfarrer Grandinger präsentiert,welcher aber nicht bestätigt, wurde.
Dem jetzigen Pfarrer Fellerer wurde dann bis zum Bestehen des Pfarrkonkurses die Pfarrei provisorisch als Vikar übertragen und ist nunmehr dessen Präsentation endgültig bestätigt.

"Pullacher Benefizium" - Aus dem Pfarrarchiv von 1920

Dieses Dokument aus dem Archiv der Pfarrei Hl. Geist Pullach stammt aus dem Jahre 1920. Ich möchte besonders auf das Stiftungsjahr 1472 in Verbindung mit dem Bau der Alten Kirche hinweisen. Ferner ist interessant, dass bis zum Jahr 1832 das Schulbenefizium den Namen des Münchner Patriziergeschlechts der Wilbrechts trug. Auch scheint sich die enge Verbindung zum Magistrat in München durch das bis in die jüngste Vergangenheit bestehende Präsentationsrecht zu bestätigen.
Bei der Abschrift wurde die Rechtschreibung beibehalten und ist z.T. auf die damaligen Möglichkeiten der verwendeten Schreibmaschine zurückzuführen.
© circulus saltans puelach • Johannes Schuster • Letzte Änderung: 04. Januar 2013